Entstehung

- der Frauen-Computer-Schulen (FCS) und Frauen-Technik-Zentren (FTZ)

Die Idee der Frauen-Computer-Schulen entstand in den achtziger Jahren in den USA mit dem ersten Frauencomputerhandbuch “go stop run” von Deborah Brecher. Das Buch war eine Reaktion auf die damals weitläufig verbreitete Annahme, dass zum Umgang mit dem Computer prinzipiell Programmierkenntnisse und technische Begabungen notwendig seien. 1990 wurde die erste Frauen-Computer-Schule in München gegründet.

Frauencomputerangebote in Deutschland gab es vorher schon – nämlich seit 1985. Sie waren angesiedelt beim Deutschen Frauenring e.V. in Hamburg und beim Berliner Frauenbund e.V., der später das Frauen-Computer-Zentrum Berlin errichtete. Die Initiatorinnen waren sich einig: Es war notwendig, sich einzumischen und das Geschehen auf der weiterbildungspolitischen Ebene mitzugestalten. Galt es doch abzuwenden, dass Frauen aufgrund informationstechnischer Defizite endgültig aus dem neuen Arbeitsmarkt gedrängt werden würden.

Das Hamburger Modell breitet sich in der Folge aus. Ein überregionales Multiplikatorinnenprojekt wurde gestartet mit dem Ergebnis, dass auch in anderen Regionen Frauen-Technik-Zentren gegründet wurden (Freiburg i.B., Wernigerode u.a.). Mit der politischen Wende in Deutschland und nach dem Fall der Mauer konnte das Multiplikatorinnenmodell ab Oktober 1990 auf Frauen in den neuen Bundesländern ausgedehnt werden und auch einige von ihnen errichteten Zentren wie z.B. in Berlin, Dresden, Cottbus.

Heute sind die Frauen-Technik-Zentren im 1994 gegründeten Internationalen Netzwerk Weiterbildung e.V. (INET) zusammengeschlossen als Fortführung und Institutionalisierung des informellen Weiterbildungsverbundes. Neben Vereinen und Unternehmen aus Deutschland sind auch Mitglieder aus der Tschechischen Republik und der Mongolei im Netzwerk.

Ein weiterer Verband – Piona Point – Teleworking Management e.V. wurde 1997 als Netzwerk der FCS und FTZ sowie Beraterinnen und Produzentinnen in IT und Multimedia gegründet. Initiatorin war Angelika Huber, die im Jahr 1990 in München die erste Frauen-Computer-Schule gegründet hatte. Vorausgegangen war der Vereinsgründung ein alljährlicher Fachkongress, der im Jahr der Gründung von Piona Point e.V. zum 5. Mal in Wien stattfand. Bei Piona Point e.V. sind neben Vereinen, Unternehmen und Einzelpersonen aus Deutschland auch Mitglieder aus Österreich und Luxemburg vernetzt.

Die genaue Zahl der derzeit existierenden EDV-Schulungseinrichtungen von Frauen für Frauen im deutschsprachigen Raum ist nicht feststellbar. Sie liegt nach unserer Schätzung bei ungefähr 60. Es ist eine breite Palette von Organisationsformen vertreten: Verein, Einzelunternehmerin (mit oder ohne Angestellte) GbR, GmbH, gGmbH oder AG.