Potenziale-Konzept
Geschlechtszugehörigkeit per se gibt es nicht.
Es gibt strukturelle Rahmenbedingungen, die dafür mitverantwortlich sind, dass hierarchische Geschlechterverhältnisse reproduziert und die Entwicklung möglicher Potenziale von Frauen verhindert werden.
Unter Potenzialen verstehen wir “die Anlagen und Begabungen, Fähigkeiten und ausgebildeten Qualifikationen, aber auch die latent gehaltenen, unterdrückten, verschütteten Interessen, die abgeschnittenen Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen bzw. von Individuen allgemein” (Roloff et al. 1995: 265). Historisch bedingt wurden Männern auf dem Gebiet der Technik Kompetenzen zugeschrieben, die diese erwartungsgemäß auch entwickelt haben. Umgekehrt verlief es bei Frauen, wie Wetterer (Wetterer 1995) für Frauen in Technikberufen zeigt. Sie wurden ausgegrenzt bzw. haben einen schlechteren Zugang zu technischen Berufen gefunden.
Das Potenziale-Konzept, das am Hochschuldidaktischen Zentrum der Universität Dortmund von Metz-Göckel und Roloff entwickelt wurde, ist ein Ansatz, mit dem soziale Konstrukte verändert und Geschlechtszuordnungen und Geschlechtstypisierungen aufgelöst werden können.
Geschlechtszugehörigkeit – so besagt das Potenziale-Konzept – besitzt man nicht per se, sondern Geschlechtszugehörigkeit wird in Interaktionsprozessen immer wieder hergestellt. Es muss uns also um eine ‘Entgeschlechtlichung’ zur “Herstellung einer Vielfalt der Möglichkeiten und Entfaltungen, auch Überschneidungen und Deckungsgleichheiten, aber auch Neuentwicklungen der heute vorfindlichen zwei unterschiedlichen Geschlechter und deren Vorstellung von sich und vom anderen…” (Roloff et al. 1995: 275) gehen. Geschlecht wird von uns als Strukturfaktor aufgefasst, ohne dass fixe Persönlichkeitsmerkmale von Männern und Frauen tradiert und festgeschrieben werden.
Quellen
- Christine Roloff/ Sigrid Metz-Göckel [1995]: Ungeschadet des Geschlechts… Das Potentiale-Konzept und Debatten der Frauenforschung. In: Wetterer, Angelika [Hrsg.]: Die soziale Konstruktion von Geschlecht in Professionalisierungs-
prozessen. Frankfurt/ M., New York. S.263-286. - Angelika Wetterer [1992]: Hierarchie und Differenz im Geschlechterverhältnis. In: Wetterer, Angelika [Hrsg.]: Profession und Geschlecht. Über die Marginalität von Frauen in hochqualifizierten Berufen. Frankfurt/ M. S.13-44.
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