Kursleiterinnen
- weibliches Lehrpersonal
Die Frage der Leitung in der Emanzipatorischen Frauenbildung ist geprägt von Widersprüchen und unterschiedlichen Rollenerwartungen. Da sich die Frauenbildungsarbeit aus Selbsterfahrungsgruppen mit antihierarchischem Anspruch entwickelt hat, wurde eine Kursleitung oftmals skeptisch betrachtet oder abgelehnt. Im Laufe der Jahre nahm jedoch die Zahl der Teilnehmenden, die mehr fachliches Wissen zu Themen und strukturierte Lernprozesse wünschten, zu.
“Die Rollenerwartungen von Frauen an Frauen in Leitungspositionen sind scheinbar gegensätzliche Erwartungen: Einerseits werden ‚Mütterlichkeit’, Warmherzigkeit, liebevolles Umgehen mit den Teilnehmerinnen, ein hohes Maß an Verständnis und Geduld erwartet; andererseits ist die Leiterinnenrolle an ein bestimmtes Frauenbild geknüpft: Die Leiterin soll emanzipiert, fachlich kompetent und eine starke Persönlichkeit sein.” (Angelika Klotz-Groeneveld 1993: 22.) Häufig sind unrealistische Vorstellungen über die Möglichkeiten einer Leiterin die Folge. Um dem hohen Leistungsdruck entgegen zu wirken, ist es für Kursleiterinnen wichtig, die eigenen Ansprüche und die Erwartungen der Gruppe kritisch zu reflektieren.
Unsere Anforderungen an Kursleiterinnen:
- Feministischer / frauenpolitischer Hintergrund:
An die Kursleiterinnen wird von uns der Anspruch formuliert, dass sie über ein fundiertes Wissen über die Auswirkung der Benachteiligung von Frauen in allen Dimensionen: materiell, kulturell, sozial und psychisch verfügen. Dazu gehört die Kenntnis über Theorien der geschlechtsspezifischen Sozialisation, soziologischer Rollenanalysen und sozialpsychologische Erkenntnisse über Minderheiten.
- Bewusster Umgang mit Geschlechtsrollenstereotypen:
Eine ständige Reflexion über die eigene Geschlechtsrolle gehört zu den wichtigsten Qualifikationen einer Trainerin (und eines Trainers). “Wie können Referentinnen [und Referenten] Neues vermitteln und Anstöße geben, wenn sie selbst im Alten verhaftet sind. Jeder Lernprozess ist durch die Grenzen derer gekennzeichnet, die diesen Prozess anleiten. Allein deshalb sind die Entwicklungen einer Sensibilität zu Geschlechterfragen und auch Supervision notwendig.” (Assig, Dorothea/ Beck, Andrea 1996: 155.)
- Vorbildfunktion:
Durch die Trainerin – und ggf. weitere weibliche Referentinnen – werden weibliche Vorbilder sichtbar gemacht. Neue Rollenmuster und Rollenvorstellungen werden den Teilnehmerinnen auf diese angeboten. An dem, was Lehrpersonen tun, nicht tun, fordern oder nicht fordern, orientieren sich die Lernenden in besonderem Maße. Beim Umgang mit naturwissenschaftlichen und technischen Gegenständen und Sachverhalten gilt dies besonders. Auch für die spätere Berufmotivation ist es von Bedeutung, weibliche Vorbilder zu haben, die die stereotype Rollenerwartungen an Frauen durchbrochen haben. (Vgl. Faulstich-Wieland, Hannelore et al. 1987: 172.)
Quellen
- Dorothea Assig/ Andrea Beck [1996]: Frauen revolutionieren die Arbeitswelt. München.
- Hannelore Faulstich-Wieland/ Christa Koch/ Brunhild Landwehr [1987]: “Mädchen können keine Naturwissenschaftler sein” oder: Die Bedingungen der Technikdistanz von Mädchen und Frauen. In: Faulstich-Wieland, Hannelore [Hrsg.]: Abschied von der Koedukation? Frankfurt am Main. S.142-183.
- Angelika Klotz-Groeneveld [1993]: Bildungsarbeit mit Frauen. Weiterbildung für Kursleiterinnen in der Frauenbildungsarbeit. Soest.
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